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DDR und Kuba: Reduzierte Wahrnehmung - Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die deutsch-kubanischen Beziehungen. Ein Veranstaltungsbericht aus Havanna

Von Andreas Schmidt, Havanna - 20.02.2010

Als sich am gestrigen Freitag in der Kapelle des Saales "José Lezama Lima" auf der historischen Festung San Carlos de la Cabaña zahlreiche Besucherinnen und Besucher einfanden, sollte es um die Behandlung eines der zentralen Themen der deutsch-kubanischen Beziehungen gehen. Im Mittelpunkt stand dabei die Präsentation des von der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegebenen Buches "Regresé siendo otra persona" (Ich kehrte als andere Person zurück), in dem die Erfahrungen von zwölf Kubanerinnen und Kubanern geschildert werden, die in der DDR als Vertragsarbeiter oder Studierende zwischen 1960 und 1990 gelebt haben.

In der einstündigen Veranstaltung, der unter anderem auch der deutsche Botschafter in Kuba, Robert Ellner, beiwohnte, sollte es allerdings weniger um eine inhaltliche Beschäftigung mit den DDR-kubanischen Beziehungen gehen, sondern vielmehr um eine Selbstdarstellung der Linkspartei nahestehenden Stiftung.

Botschafter der BRD

Spaß mit der DDR: BRD-Botschafter Robert Ellner (re.) in Havanna

Zwar wurde einige Zitate aus dem Buch verlesen, die allerdings nicht mehr als Alltagsgeschichten waren. Auch die sonstigen Äußerungen der vor Ort anwesenden Koordinatoren des Buches beschränkten sich auf die übliche Charakterisierung der DDR als bürokratisierter Überwachungsstaat.

Der Charakter der Kuba-Politik der Deutschen Demokratischen Republik sowie die Hintergründe der Entsendung von Zehntausenden Kubanerinnen und Kubanern zur Ausbildung in der DDR blieben hingegen gänzlich unbeleuchtet.

Diese vermeintlich unpolitische und auf persönlichen Erfahrungen basierende Darstellung eines Kapitels der deutsch-kubanischen Beziehungen ließe sich isoliert betrachtet vielleicht eher als Ausnahme entschuldigen; im Kontext des diesjährigen Buchmessenauftrittes der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie angesichts der antikubanischen Haltung des rechten Flügels der Stiftung und der Linkspartei ist dahinter jedoch eher eine politische Strategie zu vermuten.

So hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung trotz der Präsenz von Cuba Sí und des Berliner Büros Buchmesse Havanna eine Teilnahme im Rahmen der offiziellen deutschen Regierungsbeteiligung vorgezogen, die von den Vertretern der Frankfurter Buchmesse realisiert wird. Auch die Präsenz des deutschen Botschafters während der Buchpräsentation sowie einiger seiner Mitarbeiter, die noch im Dezember Veranstaltungen der kubanischen Dissidenz besucht haben und die seitens der Stiftungsvertreter zu keinerlei Kritik an der deutschen Kuba-Politik geführt hat, lässt auf eine politische Haltung schließen, die nicht allzu fern von der offiziellen Regierungspolitik anzusiedeln ist.

Vielleicht können sich die politisch Verantwortlichen innerhalb der Rosa-Luxemburg-Stiftung noch einmal genauer mit dem tatsächlichen Charakter der deutschen Außenpolitik gegenüber Kuba auseinandersetzen und künftig klarer und eindeutiger Stellung zum sozialistischen Kuba beziehen.

 
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